Wer sagt, dass eine Stimme sich entscheiden muss – für Verdi oder für Freddie Mercury, für Sakralraum oder Scheinwerferlicht? Kerstin Bauer tut es nicht. Sie singt, als sei das eine nur die Fortsetzung des anderen – mit jener lässigen Souveränität, die große Technik unsichtbar macht und nur noch Musik übrig lässt.

Wenn die in Trier geborene Sopranistin am 25. Januar mit dem Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz in der Pfarrkirche St. Medardus in Mehring das Jubiläumsjahr „50 Jahre Palais e.V.“ eröffnet, ist sie mehr als „nur“ Solistin: Sie wird zur Erzählerin eines Abends, an dem Kunst und Gemeinsinn denselben Atem teilen.
Bauer hat in Köln und an der Manhattan School of Music in New York studiert, war DAAD-Stipendiatin und Bayreuth-Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbands und stand unter anderem in Andrew Lloyd Webbers „Das Phantom der Oper“ auf der Bühne.
Dass sie sich im Opern- und Konzertfach ebenso zu Hause fühlt wie im Musical- und Rockbereich, prägt diesen Abend hörbar. Ihre Stimme kann leuchtendes Piano, weit gespannte Linien, aber auch die Energie einer großen Ballade – ohne den einfachen Effekt zu suchen. Statt Crossover als Konzept zu feiern, erzählt Bauer von Übergängen: von der Arie zum Anthem, von der Kirchenbank zur Konzertgeste.
Die Pfarrkirche St. Medardus mit ihrer klaren, warmen Akustik bietet dafür den idealen Resonanzraum: ein Ort, an dem jeder Ton nachklingt – musikalisch und menschlich. Unter der Leitung von Florian Weber entfaltet das Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz seinen charakteristischen Klang: präzise, farbenreich, präsent – und zugleich aufmerksam für die feinen Nuancen der Solostimme.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind zugunsten des Palais e.V. willkommen. So wird dieses Eröffnungskonzert zu „50 Jahre Palais e.V.“ zu einem Abend, an dem Musik nicht nur klingt, sondern wirkt – im Raum, in der Region, vielleicht auch ein wenig in uns selbst.